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Schwarzwald

Geschichte des Vereinszweigs

Dem Beispiel aus Oberschwaben folgend entstand 1875 der Schwarzwälder Vereinszweig auf Veranlassung des Calwer Arztes Emil Schüz in Nagold. Seit 1891 ist Tübingen (damals Sitz der Verwaltung des "Schwarzwald-Kreises"; Regierungsbezirke des Königreichs Württemberg hießen "Kreise") der ständige Versammlungsort. Als Termin für die regelmäßigen Versammlungen wählte man die Zeit um den 20. Dezember (Thomas-Tag), weshalb die Jahresversammlungen in Tübingen auch unter dem Namen "Thomas-Tagung" bekannt sind.

Leiter

Matthias Flegr
Untere Straße 44
72070 Tübingen-Unterjesingen
matthias_flegr@yahoo.com

Veranstaltungen

THOMAS-TAGUNG 2026
THEMA: „DIE WISSENSCHAFTLICHE ZEICHNUNG“

Ort:       Paläontologische Sammlung, Hörsaal S 320, Hölderlinstraße 12, 72074 Tübingen
Zeit:      Sonntag, den 29.11.2026 (1. Advent)
13:15 Uhr, drei Vorträge
15:15 Uhr, Ausstellungseröffnung „Heiner Bauschert und die Wandtafeln der Tübinger Zoologie“
Musikalischer Rahmen: Thomas Bauschert

ZUSAMMENFASSUNGEN DER VORTRÄGE

Dr. Christoph Allgaier, Fachbereich Biologie, Universität Tübingen
Die wissenschaftliche Zeichnung im Wandel der Zeit – mit einem Blick auf Hermann Weber
Der Vortrag zeigt die Entwicklung der wissenschaftlichen Zeichnung im Zusammenhang mit der Druck- und Reproduktionstechnik. Zeichnungen wurden zunächst zur Vervielfältigung in Holz oder Kupfer übertragen. Mit der Lithographie und später mit fotografischen Verfahren verbesserten sich die Möglichkeiten zur detailgetreuen Reproduktion, insbesondere von Tuschezeichnungen.
Als Beispiel für die Bedeutung der wissenschaftlichen Zeichnung wird der Zoologe und Insektenforscher Hermann Weber (1899–1956) vorgestellt. Als Meister der wissenschaftlichen Tuschezeichnung verstand er es, dreidimensionale morphologische Strukturen von Insekten anschaulich in zweidimensionale Darstellungen zu übertragen. Seine Zeichnungen trugen wesentlich zur Vermittlung der Insektenkunde bei und werden teilweise bis heute in entomologischen Werken abgedruckt oder als Vorlage verwendet.

Dr. Klaus Rehfeld, Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg e. V.
Zwischen Kunst und Wissenschaft: Werk und Leben der Graphikerin Marianne Golte-Bechtle (1941–2022)
Marianne Golte-Bechtle (1941–2023) war von Kindheit an eine begeisterte Tierzeichnerin. Nach ihrer Ausbildung zur Museumsassistentin am Frankfurter Senckenberg-Museum absolvierte sie ein neunsemestriges Studium an der Werkkunstschule Wiesbaden, das sie 1965 als wissenschaftliche Graphikerin abschloß. Es folgte eine Festanstellung am Stuttgarter Verlag Franckh-Kosmos, wo sie bis zu ihrer Pensionierung 2006 tätig war. Durch die neue Illustration des Bestimmungsklassikers Was blüht denn da? machte sie sich einen international bekannten Namen als Blumenmalerin. Doch sie wollte mehr sein und aus dieser engen Zuschreibung ausbrechen: Den Tieren galt weiterhin ihr Hauptinteresse, und sie suchte nach Wegen, „das Wesen“ der Tiere auf immer neue Weise einzufangen – ein Spagat zwischen wissenschaftlicher Exaktheit und künstlerischer Freiheit.

PD Dr. Ingmar Werneburg, Senckenberg & Universität Tübingen
Tafeln zur Morphologie der Tiere
Das Zoologische Institut der Universität Tübingen beherbergt mehr als 1.000 handgemalte Lehrtafeln, Unikate, die über 100 Jahre hinweg entstanden. Hervorzuheben sind zunächst Wandtafeln des hochbegabten Präparators Carl Oberdörfer (1871–1962), die noch in der Tradition klassischer Vorbilder stehen. Von 1951 bis zu seinem frühen Tod war dann der Maler Heiner Bauschert (1928–1986) als Wissenschaftlicher Zeichner am Institut angestellt und hinterließ mehr als 700 ästhetisch hochwertige Lehrtafeln. Als „Schwäbischer Holzschneider“ war Bauschert auch privat über die Grenzen Tübingens für seine Holzdrucke und Aquarelle bekannt. Der künstlerische Ansatz und die Vision hinter den Wandtafeln werden anhand von Material des Universitätsarchivs diskutiert. Alle Bauschert-Tafeln sind in einem jüngst erschienenen Lehrbuch vereinigt. Das Buch wird nach dem Vortrag, im Rahmen einer Ausstellungseröffnung mit zahlreichen originalen Wandtafeln, vorgestellt.

AUSSTELLUNG & BUCHVORSTELLUNG
TAFELN ZUR MORPHOLOGIE DER TIERE

... unter besonderer Berücksichtigung der Vertebraten und mit den Wandtafeln der Tübinger Zoologie, gemalt von Heiner Bauschert (1928–1986).
Basierend auf seinen Vorlesungen zur Vergleichenden Anatomie und Paläontologie der Tiere bringt Ingmar Werneburg (Universität & Senckenberg Tübingen) hier eine kurze Einführung in die Zoomorphologie. Ein Überblick zur Formenvielfalt und Verwandtschaft der  Invertebraten leitet zu den Wirbeltieren über. Diese werden nicht taxonomisch, sondern nach ihren Organsystemen besprochen. Die Reihenfolge orientiert sich dabei am primären embryonalen Ursprung, an den vier Keimblättern.
In seiner Forschung ist Werneburg im Bereich der Wirbeltiermorphologie spezialisiert. Er beschäftigt sich u. a. mit der Vergleichenden Entwicklungsgeschichte des Schädels und den Mustern embryonaler Entwicklungssequenzen. Zudem verfaßt er Arbeiten zur Geschichte der  Vergleichenden Anatomie und Paläontologie und ist als Schriftsteller und Verleger tätig.
Die  Illustrationen des Buches basieren auf Wandtafeln des Zoologischen Instituts in Tübingen. Über drei Jahrzehnte hinweg war der Künstler Heiner Bauschert (1928–1986) hier als Wissenschaftlicher Zeichner angestellt. Seine Tafeln sind durch hohe fachliche Präzision und eine besondere Ästhetik geprägt. In einem separaten Kapitel wird Bauscherts Wirken am Zoologischen Institut nachgezeichnet und die Vielfalt seines Wandtafel-Werkes, das noch heute in der universitären Lehre Anwendung  findet, wissenschaftshistorisch erschlossen.

Scidinge Hall Verlag Tübingen 2026, DIN A4-Format, 388 Seiten (inkl. 194 Tafeln mit je vier Bildern). ISBNs: 978-3-947020-33-1 (Festeinband; 60 €); 978-3-947020-34-8 (Broschur; 40 €).

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